Eine Rezension zum musikalischen Herbstabend
von Jasmin Dierig, Kl. 12

Leise dringen Töne aus dem Raum hinter der Bühne – die Sänger bereiten sich stimmlich auf ihren Auftritt vor. Eltern, Geschwister, Freunde und Lehrer der auftretenden Schüler sorgen für eine angenehme, familiäre Atmosphäre. Die Blicke der Zuschauer wandern aufmerksam über die Sonnenblumen und das Laub auf dem Boden, vereinzelt sind auch Tannenzapfen, Kastanien und Kürbisse zu entdecken. Das alles und noch mehr passt zu dem Thema des heutigen Abends: „Das Laub fällt von den Bäumen“.
Am Freitag, den 20. Oktober 2017 haben sich in der Aula der Kleinen Burg rund 90 Personen eingefunden, um bei dem Herbstabend der Gesangs-AG sowie der Folk-AG dabei zu sein.
Der erste Teil „Die bunte Jahreszeit“ beginnt direkt mit einem Lied, das jedem Anwesenden sofort bekannt vorkommt: „Hejo, spann den Wagen an“. Der dreistimmige Kanon verleiht dem Lied eine beeindruckende Tiefe, verstärkt durch das leicht disharmonische Klavier. Danach singt Anna Lehmann ein Solo, das leider, dem Mikrofon geschuldet, etwas zu leise war. Im Anschluss berichtet sie von ihrer persönlichen Verbindung zu dem Lied „Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder“. Es folgt die Begrüßung mit der Vorstellung des Themas Herbst und der beiden AGs. Jacqueline Bartsch trägt daraufhin das Gedicht „Herbstbild: Dies ist ein Herbsttag“ von Friedrich Hebbel vor. Anschließend interpretiert Juliane Schostag das Lied „Herbsttag: Herr. Es ist Zeit“ mit der Zuhilfennahme von Requisiten, welche (in Bezug auf den Wein) allerdings unpassend wirken. Das Publikum lauscht der Folk-AG andächtig, als diese das melancholische und langsame Stück „Autumn Leaves“ spielt; es herrscht eine ruhige Atmosphäre. Eine Steigerung des Liedverlaufes wird durch das perkussive Musikinstrument namens Cajón (dt. Kistentrommel) bewirkt.
Der zweite Abschnitt „Vom Vergehen“ startet mit dem Gedicht „Der Garten trauert“ von Hermann Hesse, vorgetragen von Ralitsa Kirova, und beschreibt den Wechsel zwischen Sommer und Herbst. Der Inhalt sorgt für eine melancholische, leicht bedrückende Stimmung. Als nächstes folgt die gelungene Umsetzung des Liedes „Der Tod und das Mädchen“, welches sich durch das schauspielerische Talent von Herrn Weber-Kuligk (der Tod) und Isabelle Theuerzeit (das Mädchen) auszeichnet. Eine gebannte Atmosphäre herrscht in der Aula, die unterschiedlichen Stimmfarben beider Sänger ergänzen sich perfekt. Höhepunkt ist die Übergabe einer weißen Lilie, die ein Symbol des Todes sowie der Reinheit ist. Im Anschluss spielt die Folk-AG als Ausklang das positivere Lied „Dew in the Valley“.
Der dritte Teil „Zeit der Reife“ fängt mit dem Text „Die fünfte Jahreszeit“ an und wird erzählt von Robin Schmalenberg, der sehr ruhig, aber dadurch eindrucksvoll spricht. Im Anschluss interpretiert Juliane Schostag das Lied „Herbst: Die Blätter fallen“ und wird leider des Öfteren vom Klavier übertönt. „Das Buchenblatt“, im Duett gesungen von Isabelle Theuerzeit und Lily Thiersch, wird durch das Verstreuen von Blättern untermalt. Es folgt erneut ein Duett, wieder mit Isabelle Theuerzeit und Herrn Weber-Kuligk, diesmal schneller und lebhafter, zu „Das Laub fällt von den Bäumen“. Marvin Rochow knüpft mit einem beeindruckenden Klavier-Solo an, verstärkt die herbstlichen Gefühle aller durch den temporär disharmonischen sowie schwingenden Klang, hervorgerufen durch die Nutzung des Fortepedals. Mit Witz und Charme führt Herr Eichler das Publikum durch seinen Text „Der Herbst: Eine Spracherkundung“ und demonstriert, dass die häufige Wiederholung eines bekannten Wortes in einem Jamais-vu-Erlebnis endet. Dies ist das Gegenteil eines Déjà-vu und sorgt dafür, dass das Wort unbekannt und eigenartig erscheint. Zusätzlich wird dem Publikum die Namensgebung des Herbstes nähergebracht. Das traditionelle Lied „La Danse des Fees“, gespielt von der Folk-AG, lässt vor dem inneren Auge tatsächlich die Illusion einer Gruppe tanzender Feen aufkommen, man fühlt sich beschwingt und lebendig. Lily Thiersch folgt mit einem Solo, bei der ihre ruhige und sanfte Stimme sehr gut zur Geltung kommt. An das Publikum wird ein weiteres Mal gedacht: Während sie singt, verteilt sie Äpfel in der Menge. Anschließend wird die Gewinnerin der Auslosung verkündet (Frau Hoeft), die feierlich einen Herbstkorb mit entsprechendem Inhalt überreicht bekommt. Vor der Apfelpause werden wieder alle einbezogen und gemeinsam singt das Publikum „Bunt sind schon die Wälder“ mit der Gesangs-AG und der musikalischen Unterstützung der Folk-AG. Den Text dazu hat jedermann schon zu Beginn des Abends an seinem Platz gefunden. Während der Apfelpause probieren viele Zuschauer, aber auch die vorführenden Schüler die leckeren Kuchen vom Buffet.
Nachdem sich alle gestärkt haben, stimmt die Gesangs-AG das Lied „Hör, es klagt die Flöte wieder“ an, der dreistimmige Kanon macht jedoch einen wirren Eindruck, aufgrund der ungewollt unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Sänger. Das Volkslied „Es führt über den Main“ ist gesanglich sehr harmonisch, jedoch wird die Cabaça (lateinamerikanisches Perkussionsinstrument) nicht im Takt gespielt. Es folgt ein Solo von Isabelle Theuerzeit mit „Heidenröslein“, am Klavier wird sie von Herrn Weber-Kuligk begleitet. Das Solo danach, ebenfalls von ihr intoniert, ist ausgesprochen kraftvoll und regt das Publikum zum Wippen an. Besonders beeindruckend ist der letzte, sehr hohe Ton des Liedes, den Isabelle Theuerzeit sekundenlang hält und dafür auch kräftigen Applaus erntet. Auf Finnisch wird das nächste Lied gesungen, denn es ist das Liebeslied „Tuoll on mun kultani“, aber auch diese Hürde meistert die Gesangs-AG mit Bravour.
Der fünfte Abschnitt „Melancholischer Abschied“ beginnt mit einem Gedicht von Theodor Storm, welches mit einer guten Betonung von Lily Thiersch vorgetragen wird. Trotz anfänglicher Ansage wird die Atmosphäre leider durch ein klingelndes Handy gestört. Anschließend interpretiert Juliane Schostag den „September Song“. Beim Refrain wird sie von Isabelle Theuerzeit unterstützt, die den Takt auf einer Thermo-Trinkflasche schlägt. Im Folgenden wird von beiden AGs „Heute hier, morgen dort“ angestimmt.
Zum Schluss richtet Herr Weber-Kuligk das Wort an seine Gesangs-AG, die Folk-AG und das Organisationsteam. Seine Dankbarkeit wird in Form von Geschenken ausgedrückt, jeweils mit persönlichen Sprüchen abgestimmt auf die Sänger. Danach verteilt Herr Weigang Rosen sowie nette Worte an die Musiker und Sänger, für Herrn Weber-Kuligk und Herrn Eichler gibt es Blumensträuße.
Zuletzt wird als Zugabe das Lied „Der gekaufte Drache“ gesungen, währenddessen schwenken die Sänger kleine, selbstgemachte Drachen aus Papier und verteilen diese zum Ende hin auch an die jüngeren Zuschauer.
Rückblickend war es ein ausgesprochen gelungener, musikalischer Abend. Dekoration, Beleuchtung, Requisiten und Atmosphäre waren in sich stimmig und sehr beeindruckend. Die herbstliche Stimmung wurde durch den Sonnenuntergang und die vorbeifliegenden Vögel untermalt. Zwar hat das Klavier im Vergleich zu den Sängern zeitweise die Oberhand gehabt, aber insgesamt wurde jedes Instrument und jeder Sänger durch großen Beifall verdient gewürdigt. Zusätzlich gab es einen großen Lerneffekt in Bezug auf den Herbst und das Publikum konnte mit neugewonnenem Wissen die Aula verlassen. Alles in allem: Gut gemacht!
Die Sänger aus den Klassenstufen 11 und 12 sind Lily Thiersch, Juliane Schostag, Jacqueline Bartsch, Ralitsa Kirova, Anna Lehmann, Robin Schmalenberg und Isabelle Theuerzeit unter der Führung von Herrn Weber-Kuligk gewesen. Die Musikanten der Folk AG sind Renata Heinrich, Minoo Himstedt, Juliane Schostag, Muriel Volkmer, Janne Willenborg, Taeysha Watzl-Sommer, Ellimo Helmholz, Marvin Rochow, Robin Schmalenberg und Cedric Franz unter der Leitung von Dietrich Rahaus. Am Klavier spielten Marvin Rochow, Frau Celle und Herr Weber-Kuligk. Herr Eichler fungierte als musikalische Verstärkung. Moderiert und dekoriert haben Selin Gez, Linda Holtkötter und Sina Stockfisch. Die Gesamtkonzeption des Abends unterlag Herrn Weber-Kuligk. Technische Hilfe kam von Herrn Grein.
Jasmin Dierig, Klasse 12
