Geschichte in der Spur

Beitrag zur Exkursion „Geschichte in der Spur“ vom 23.02. bis 24.02.2015

Am Montag, den 23.02.2015, sind wir Schüler des Seminarfachs „Postkommunistische Systemtransformation – Von der Sowjetunion in die Unabhängigkeit?“ zusammen mit Prof. Dr. Matthias Steinbach und Dr. Michael Ploenus sowie Studenten des Historischen Seminars der TU Braunschweig im Rahmen einer Skiexkursion in den Harz zur ehemaligen innerdeutschen Grenze aufgebrochen.
Im Harz angekommen sind wir vom Ehrenfriedhof in Oderbrück mit Skiern auf den Brocken gefahren, dort haben wir uns im Brockenhotel eingerichtet und erholt. Am Abend sind wir zum Essen und zum Austausch über das Thema der Exkursion, die innerdeutsche Grenze, im Restaurant des Hotels zusammengekommen. Studenten und Schüler haben gemeinsam ein Quiz über das ehemals geteilte Deutschland ausgefüllt und sich mit den Wissenschaftlern und Herrn Köthe über das Grenzregime, vor allem auf dem Brocken, der direkt am Grenzgebiet lag, ausgetauscht: So ging mit dem Abzug des US-amerikanischen Militärs in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Besatzungsrecht auf dem Brocken an die sowjetischen Truppen über. In Folge der Gründung der DDR 1949, der Sperrung der Demarkationslinie ab 1946, der Einrichtung der Sperrzone und der Anlegung eines Schutzstreifens ab 1952, wurde der Brocken 1961 zum militärischen Sperrgebiet ausgebaut. So hatten die Sowjetarmee und der Staatssicherheitsdienst der DDR eine unzugängliche Festung mit Sperr- und Spionageanlagen errichtet, durch welche weit in das westdeutsche Gebiet hineingelauscht werden konnte. In Sichtweite, auf dem anderen Gipfel des Westharzes, dem Wurmberg, hatten wiederum die Amerikaner ihre Anlagen. Kurz vor der Nachtruhe konnten wir noch erfahren, dass sich seinerzeit auf dem von den sowjetischen Soldaten kontrollierten Brockengipfel auch noch Trümmerreste des ehemaligen traditionsreichen Brockenhotels befanden. Dieses fiel im April 1945 amerikanischen Bombern zum Opfer. Besonders prägend und interessant ist in diesem Zusammenhang die „Löffelgeschichte“, die davon erzählt, wie ein Soldat der Wehrmacht, bei einem amerikanischen Angriff im April 1945 auf dem Brocken, einen Löffel des ehemaligen Brockenhotels an sich nahm und während seiner Gefangenschaft immer bei sich führte. Er versprach sich, diesen, irgendwann, wenn es wieder möglich sein sollte, zurück auf den Brocken zu bringen, was ihm jedoch erst in den 1990er Jahren gelang, als der Brocken wieder frei zugänglich war.
Nach einer erholsamen Nacht im neuen Brockenhotel haben wir nach dem Frühstück das Brockenmuseum, ein ehemaliges Gebäude der Staatssicherheit der DDR zum Abhören des westlichen Funkverkehrs, besucht. Nach einem gemeinsamen Gipfelfoto sind wir sodann mit unseren Skiern vom Brocken zum Torfhaus abgefahren und kamen bereits gegen 16 Uhr wieder in Braunschweig an. Es war für uns alle eine interessante Erfahrung, die einigen der Schüler sicherlich auch Anregungen für ihre Facharbeit geliefert hat.

Nilay Tsakitzi